Reichlandpatriarchat

di-vogo-4.jpgWunderlich ist es nicht: Die Sunday Times Rich List vermerkte Anfang 2007 ganze 92 Frauen unter den 1000 reichsten Einwohnern Großbritanniens, deren Vermögenswerte sich auf 9,6 Mrd belaufen. Im Großen und Ganzen erlangt durch Heirat, Erbschaft und Scheidung, wie die Liste vermerkt. Asset Management Advisors befragte 555 Millionärinnen – 36 % erbten ihr Vermögen, 29 % bezogen es von ihrem Gatten und 7 % gaben an, es aus ihrem eigenen Business akkumuliert zu haben.

Reichlands Volkszählung

ivan-titor-4.jpgNach dem 2007 World Wealth Report von Merrill Lynch & Cap Gemini lebten Ende 2006 9,5 Millionen Millionäre in Reichland, Menschen also, die Vermögenswerte von mindestes einer Million $ besaßen. Gegenüber 2005 bedeutete dies einen Zuwachs von 8,3 %. Diese knapp zehn Millionen besaßen 37,2 Billionen $, in 2011 werden es vermutlich 51,6 $ sein. Davon leben allein in den USA 3,2 Millionen Millionäre (+ 9,2 %), die 11,3 Billionen $ Vermögenswerte besaßen. Die Anzahl der Superreichen von Reichland – sie haben mindestens 30 Millionen – ist mit nun 94 970 überdurchschnittlich um 11,3 % gewachsen und ihre Vermögenswerte stiegen noch rascher um 16,8 % auf 13,1 Billionen $. Die Volkszähler meinen, dass dies ein „ein weiteres Zeichen (sei) that global wealth is rapidly consolidating among this ultra-wealthy segment.“ Es bleiben jene, von denen Butler James Stevens (gespielt von Anthony Hopkins) sagt: „I don`t believ a man can consider himself fully content until he has done all he can to be of service to his employer.“

Reiche in Reichland, aufgelistet

daniel-tibbits-3.jpgDie World Billionaires List von Forbes (für das Jahr 2006) nennt 946 Milliardäre. 178 sind hinzugekommen. Ihr zusammengenommenes Vermögen stieg um 900 Mrd $ auf 3,5 Billionen $. 2/3 der Milliardäre, die letztes Jahr auf der Liste standen, sind reicher geworden. Im Schnitt sind die Milliardäre 62 Jahre alt (2 Jahre jünger als 2005). 40 % hätten ihr Vermögen durch Erbschaft gemacht. Der US-amerikanische Zweig von Reichlands Super-Rich verliert an Bedeutung: unter den Top 20 sind nur noch 5 aus den USA. Und die Russen kommen, auch wenn sie zunehmend in der Schweiz wohnen. In einer Liste der 100 reichsten Amerikaner entsprechend ihrem Vermögen im Vergleich zum BSP sind von den gegenwärtigen US-Reichen nur Buffett und Gates dabei. Carlos Slim Helu, der mexikanische Telekomtycoon, ist 67,8 Mrd $ wert Mitte 2007, was etwa 8 % des nationalen BSP entspricht – und rund der Hälfte der Werte, die an der mexikanischen Börse gehandelt werden (?). Damit wird er seit 2007 als reichster Mann der Welt gehandelt. Im Monatsturnus wächst sein Vermögen um 3,5 Mrd $ (2007). Er besitzt rund 90 % des Festnetzes und 70 % der drahtlosen Telefonie Mexikos. Damit war er die Nummer eins. Ansonsten merke: „poverty isn`t solved with donations“ (Slim). Recht hat er. Zumal die Berater des täglichen Geldausgebens runde 3000 $ am Tag ür ihre Tipps verlangen.

Die brandneue Liste der 400 reichsten Bewohner der US-Provinz von Reichland listet Forbes auf – mit dem Editorial: „The Rich get Much Richer.“

Der Haushalt von Reichland

naoto-hattori-2.jpgDer letzte World Wealth Report teilte mit, dass die Reichen ihre „alternative investments“ in 2006 gegenüber 2005 auf 10 % ihrer Investitionen halbiert haben – dazu gehören Hedge Fonds, Private Equity und Venture Capital. Prince & Associates untersuchten jüngst, wofür die Bonuszahlungen der Wall Streeters aus dem Jahr 2006 ausgegeben werden; 16 % werden gespart oder investiert, 16 % gehen in Häuser und Heime, 11 % in Kunst und andere Sammelwerte und weitere 11 % in Uhren und Schmuck. . Einen weitaus detaillierteren Überblick gibt die Studie von Elite Traveler / Prince Associates, angemessen der Zeit des auslaufenden Sommers 2007: sie wurde im Mai 2007 publiziert und basiert auf einer Befragung von 198 HNW-Familien, deren Ausgabenplanung für den Sommer in 17 Luxuskategorien erhoben wurde.

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Wissenschaft in Reichland

genpets_series_01_by_brandejs.jpgT. Boone Pickens, Jr., Milliardär und mittlerweile nach ein paar Hundert Millionen Spenden mehr oder weniger Besitzer der Sportabteilung der Oklahoma State Universität spendete jüngst 50 Mio. $ dem Southwestern Medical Center der University of Texas in Dallas und dem M.D. Anderson Cancer Center in Houston. Die Empfänger dürfen das Geld erst dann ausgeben, wenn sie es verzehnfacht haben – dafür haben sie 25 Jahre Zeit; klappt es nicht, geht das Geld an den Staat. Anders gesagt: knapp 10 % Verzinsung im Jahr sind nötig, man kann sich leicht vorstellen, welche Medizin da im nächsten Vierteljahrhundert im Namen von T. Boone Pickens, Jr., getrieben werden wird.

Reichenmobile

jacek-yerka-4.jpgReichland ist bekanntlich einer der am raschesten wachsenden Kontinente. Mobilität beschäftigt daher alle sehr. Zum Beispiel die Sache mit den Autos. Soll man seine Rolls-Royce-Sammlung verkaufen, wie jüngst Richard J. Solove, dessen in über 30 Jahren erarbeitete Kollektion für gute 14 Mio. $ weg ging – doch er wird erst Ende des Jahres zwei neue RR-Phantoms geliefert bekommen? Was tun in der Zwischenzeit? Rasch ein Mercedes oder einen BMW kaufen – doch Bentleys und Maybachs sind angesagt. Vielleicht einen Ferrari P4/5 für 4 Mio $? Es gibt allerdings auch eine substantielle Marktsättigung hier. In Greenwich, Conn. etwa. Dort kommen 66 000 Fahrzeuge auf 61 972 Einwohner. Darunter sind: 3769 BMWs, 3474 Mercedes Benz‘, 931 Porsches, 94 Ferraris, 90 Bentleys, 65 Aston Martin, 40 Maserati, 39 Rolls-Royce, 4 Maybachs und 1 Lamborghini. Anders gesagt: einer von zehn Einwohnern besitzt einen BMW oder einen Merceds. Zugegeben: einige haben 15 oder 20 Wagen. Man fragt sich, ob man unter solchen Bedingungen noch einen Unterschied machen kann!
Natürlich gibt es die Möglichkeit, sich in der Zwischenzeit in einem der rund 100 Luxus-Unterseeboote zu vergnügen, die gegenwärtig tief in den Meeren schippern. Ein Sub-U-Boot für rund 10 Passagiere kommt im Moment auf rund 10 Mio $, ein Gerät mit fünf Badezimmern und zwei Küchen liegt so bei 25 Mio $. Vielleicht bei Exomos in Dubai nachfragen? Schließlich sollen in seinem Show-Room mittlerweile 14 Luxus Personal Submarines ausgestellt sein. Aber es gibt eine Auftragsliste mit 26 Bestellungen, das dauert.
Vielleicht ist es auch günstig, sich um den aktuellen Stand desimg_3951.JPG Jachtmarktes zu kümmern. Segeln ist seit den 80ern ziemlich out, es zählen die starken Motoren. Es müssen ja nicht gleich die 250 Mio $ sein, die Microsoft-Mitbegründer Allen für seine neueste (die dritte) seiner Megajachten ausgegeben haben soll (die „Octopus“, wie sinnhaft!). Aber auch hier sind die Wartelisten berträchtlich, bei Megajachten mittlerweile drei Jahre und mehr, wie yachtspotter.com vermerkt. Und im Moment werden einfach zu viele Jachthäfen umgebaut, um Platz für Megajachten zu schafen – das sind in der Regel Investitionen zwischen 200 und 500 Mio $ und nicht in einer Woche zu erledigen.

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Einkommen in Reichlands Zentralprovinz

peter-hutter-1.jpgWie stark sich die geradezu explodierende Einkommensungleichheit in den USA auf eine winzige Spitzengruppe fokussiert deren Position zunehmend das jahrhundertalte Gefüge kapitalistischer Einkommensungleichheit zu sprengen beginnt, zeigt eine spannende Kontroverse, die nur wenig Resonanz über US-amerikanische Medien hinaus hatte. Im März 2007 hatte u.a. die New York Times in mehreren bemerkenswerten Beiträgen auf Analysen zur Einkommensentwicklung in den USA aufmerksam gemacht:

Was sind die wesentlichen Punkte dieser Entwicklung?

chart1.gifDie aktuelle Situation wird mit dem Goldenen Zeitalter vor dem ersten Weltkrieg verglichen – seit den 70ern entstanden erneut die Figuren der Barone und Tycoone des (nun neoliberalen) Kapitalismus. Gates und Buffett gehören nun zur Gruppe der „30 reichsten“ Amerikaner in der US-Geschichte. Und es geschah ein drittes Mal, was zuvor nur 1915/1916 und dann in den 20ern geschehen war: das oberste 1/100 Prozent (also etwa 15 000 Familien) mit einem Einkommen von mindestens 9,5 Mio. $ im Jahr eignet sich fünf % des Einkommens aller Amerikaner an (das Durchschnittseinkommen in dieser Gruppe betrug 2005 25,7 Mio $). Ähnliches gilt, wenn man das oberste 1 Prozent betrachtet: diese Gruppe mit einem Jahreseinkommen ab 348 000 $ hat mit 21,8 % (2005) ihren Anteil seit 1980 mehr als verdoppelt und seit 1928 keinen vergleichbar großen Einkommensanteil mehr erreicht; ähnliches gilt für die oberen 10 % (ab 100 000 $).

Insgesamt entspricht 2005 das Einkommen dieser 300 000 Amerikaner an der Spitze der Einkommens“pyramide“ mit 48,5 % fast dem Einkommen der „unteren“ 150 Millionen Amerikaner; das durchschnittliche Einkommen in der oberen Gruppe lag 440 Mal höher als das durchschnittliche Einkommen der übrigen Amerikaner. Die Ungleichheitsspanne hat sich krass vergrößert: in den späten siebziger Jahren lag der Anteil dieser „Top Ten“ noch bei ca. 33 %, 1928 waren es 49,3 %. Das bedeutet auch: die Einkommenszunahme seit den frühen 80ern geht fast ausschließlich auf das Einnahmenwachstum des obersten Prozent zurück. 29taxgraphic190.jpg

Der Präsident der USA George Bush vermerkte denn auch am 31.1.2007 völlig richtig: „The fact is that income inequality is real; it`s been rising for more than 25 years.“

Reichlands Versorgungssektor

skyDie Produktion von Luxuswaren und -diensten zur Versorgung der Einwohner Reichlands expandiert – im Moment ein Markt um die 150 Mrd $. Mittlerweile gibt es sechs relevantere Indexe, u.a. den World Luxury Index von BNP Paribas SA (in Kooperation mit der Deutschen Börse), der 20 nach der Marktkapitalisierung global führenden Konzerne mit einem täglichen börslichen Mindestumsatz von 5 Millionen $ aus Reichlands breit gefächerter Luxusgüterindustrie umfasst. Das sind 8 Unternehmen aus den USA (Starwood Hotels, Coach Inc., Harman, Tiffany & Co., Toll Brotrhers, Polo Ralph Lauren, Sotheby`s und Callaway Golf); aus Frankreich kommen die Luxuskonzerne Christian Dior, Louis Vuitton, Moet Hennessy und Hermès International; je zwei Unternehmen kommen aus England (Burberry und Carnival Plc.) bzw. Italien (Bulgari, Luxottica Group). Hinzu kommen noch vier weitere Unternehmen (Porsche, dann Shiseido aus Japan, Bang & Olufsen aus Dänemark sowie die Royal Caribbean Cruises). Sie kommen aus den Branchen Private Banking, Luxusautomobile, Luxushotels, Premium Lebensmittel, Bekleidung, Schmuck, Kosmetik, Einrichtung, Haushaltsgeräte, Elektronik. Neben diesem zentralen Index spielen weiter eine wesentliche Rolle die Indexe der ABN Amro Holding NV, der Deutsche Bank AG’s DWS,  von Merrill Lynch & Co. und der UBS AG. Hinzu kam nun vor ein paar Tagen der Index von CurtCo Media (u.a. Herausgeber des Robb Reports), dessen neuer Global Luxury Index im wesentlichen Konsumgüter zusammenstellt. 18 der 42 Unternehmen werden in US-Börsen gehandelt. Es gehören dazu Häuser wie LVMH, Richemont und PPR; Modefirmen wie Hermes, Burberry, und Ralph Lauren; Finanzdienstleister wie Wilmington Trust, Julius Bär, UBS, Goldman Sachs und Credit Suisse; Handelsfirmen wie Saks und Nordstrom; die Juwelierfirmen Tiffany & Co. und Harry Winston; die Flugzeugfabrikanten Dassault und Embraer-Empresa; Alkoholikaproduzenten wie Remy Cointreau und Pernod Ricard; die Automobilfirmen Porsche, Daimler Chrysler und BMW oder die Wohnungsversorger Starwood und Mandarin Oriental.

Merrill Lynch geht davon aus, dass die Luxusmärkte von Japan, Italien, Frankreich sowie England in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen werden – am wichtigsten werde aber die die Versorgung der chinesischen Reichen, die 2014 ein Viertel des globalen Umsatzes machen werden und damit den Markt dominieren werden. Noch aber ist China weit davon entfernt, selbst ein global Player der Luxusindustrie Reichlands zu sein.

Die Reichländer lieben Statistiken über sich

tassos-kouris-5.jpgDafür sind eigene Konzerne oder deren Abkömmlinge zuständig, manchmal auch die Statistikabteilungen der Förderation. Am bekanntesten sind Forbes und Merrill Lynch Cap Gemini – sie versuchen sich immer wieder daran, das Volk der Reichen in Gänze zu erfassen und streiten sich ununterbrochen um die Landesgrenzen. Schließlich ist Reichland eine planetare Veranstaltung und expandiert ständig – aber gerade deshalb müssen seine Grenzen immer wieder klargestellt werden, damit jenen, die definitiv nicht dazu gehören, das bei Bedarf auch überzeugend klar gemacht werden kann. Natürlich gibt es auch spin-offs. Eines der zukunftsträchtigsten Projekte betreibt Rupert Hoogewerf.

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Neue Wählerwanderungen in Reichland

brigid-marlin-4.jpgReichlands Wahlmänner orientieren sich um – zumindest die maßgebenden Männer aus US-Reichland. Schon bei den Zwischenwahlen letztes Jahr hatten sich die Superreichen der Ostküste auf die Demokraten umorientiert (insgesamt freilich hatten die Republikaner 1,2 und die Demokraten 1,1 Mrd $ beschafft). Das Wall Street Journal vermeldete am 23.7.07, dass den Demokraten 100 Millionen Dollar mehr als den Republikaner gegeben wurden (= 58 % der bisher aufgebrachten Mittel). Clinton und Obama bekamen bisher 63 bzw. 59 Mio. $. Natürlich wird auch um die Wähler von Armland gekämpft: die Demokraten haben eine Datenbank mit 150 Mio. potentiellen Spendern aufgebaut – bemerkenswert, dass im Falle Clinton bislang nur 8 % ihrer Mittel aus Beträgen von 200 $ und weniger kommen, bei Obama dagegen 28,2 %. Clinton repräsentiert halt weit mehr die Kultur des middle-class Individualismus und des neoliberalen „Nehmen wir es doch in die eigenen Hände“ der reichen Privatiers, die in „Spiegel„-Manier ihre Welt retten.

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Reichland stinkt vor Geld

[lang_de]Reichlandund hat seine eigenen Probleme. Wer eine Milliarde $ zu 10 % auf der Bank hat, muss am Tage 274 000 $ loswerden, wenn er partout nicht reicher werden will. Kein schlechter Ort dafür ist London. London ist nicht länger mehr eine teure Stadt. Es ist eine phänomenal teure Stadt geworden, wie Richard Cohen in der IHT vom 1.7.2007 bemerkt. Seine Exkursion in Reichland ist betitelt: „The filthy rich are different from you and me.“ Da geht es nicht um die 120 $ Taxikosten von Heathrow in die Innenstadt, drei Mal so hoch wie die vergleichbare Fahrt in Manhattan. Oder die 100 $ – Vorspeisen in mittelmässigen Restaurants oder die kleinen Wohnungen à 6 Millionen $. Der Punkt ist: die Hälfte dieser Wohnungen besiedeln mittelweile die Auswärtigen aus Reichland. Die andere Hälfte gehört den Eingeborenen aus dem alten Englandclan. Ähnliches gilt für Moskau, Hongkong, New York oder Paris. Wie sagte doch Peter Mandelson, seines Zeichens EU-Kommissar? „We are intensly relaxed about people getting filthy rich.„[/lang_de]